Mit dem Fahrrad rund um Pitigliano
 
 
 
Ansicht von Sorano - Zeichnung Peter Petri©
 
Gemütlich über Zypressenalleen dahinrollen, nette kleine Kurven, kaum Steigungen. Abends bei Pizza und Wein sitzen und sich über die mühelos zurückgelegten 50 Kilometer freuen. Hätten Sie es gerne so?
Dann meiden Sie lieber Pitigliano. Denn hier wird jede Radtour über mehr als 30 Kilometer zur Anstrengung. Alle Täler haben sich schluchtenartig in den Tuff, das vorherrschende Gestein, hineingefräst. Die Höhenunterschiede sind zwar nicht gross, ausser, man fährt in die Berge Richtung Monte Amiata (1738 m), Aber man hat ständig mit starken Steigungen zu kämpfen, wird natürlich dann durch rasante kurvenreiche Abfahrten entschädigt. Und die Landschaften wechseln ständig und sind wunderschön. Wer faul ist, kann allerdings die meisten der angegebenen Strecken auch mit dem Wagen machen...


             
 
Pitigliano - Sovana - Sorano

(etwa 35 km)

Diese Dreieckstour zu den Nachbarorten von Pitigliano ist sehr zu empfehlen. Sovana und Sorano sind wunderschöne Orte mit vielen Besichtigungsmöglichkeiten (Sovana: Piazza, Dom und imposante, romantische Totenstädte der Etrusker. Sorano: wildromantische Felsenplattform, die man erreicht, wenn man von Sovana kommend am Anfang der Abfahrt ins Tal links einbiegt, Museum auf der Burg).

             
 
Pitigliano - Manciano - Montemerano - Heisse Quellen vor Saturnia - Saturnia - über die Berge wieder zurück

(etwa 60 km)

Dies ist eine der landschaftlich schönsten Strecken, aber wegen der Höhenunterschiede nur Geübten zu empfehlen.
Abfahrt ins Tal und wieder hoch. Gegenüber von Pitigliano der beste Blick auf die Stadt. Dann etwa 6 Kilometer über die Ebene und Abfahrt ins Fiora-Tal und der erste längere Anstieg nach Manciano. Wer möchte, kann ganz oben auf die Burg fahren und hat einen wunderbaren Rundblick auf die Berge im Norden und über das Meer. Man sieht auch schon westlich auf einem Hügel Montemerano, eines der schönsten Städtchen der Gegend. Sehenswert ist dort die Pizza oben im Ort und die Kirche mit der "Madonna mit dem Katzenloch", ein mittelalterliches Madonnenbild, lange als Tür verwendet. Einer der früheren Besitzer hat ein Katzenloch hineingesägt.
Von Montemerano geht es weiter Richtung Saturnia. Vorher kommen die berühmten heissen Schwefelquellen in Sicht, wer möchte, kann sich hineinlegen. Saturnia selbst ist angenehm, mit einer hübschen Piazza mit netten Bars und ein paar Läden, einem römischen Stadttor und Ruinen.
Von Saturnia aus geht es in die Berge (wunderschöne Ausblicke) nach San Martino sul Fiora. Lange steile Abfahrt ins Tal der Fiora. Ein paar gemütliche Kilometer Fahrt im Tal bis Sovana. Von dort nach Pitigliano.
Pitigliano - Sovana - Sorano - Pitigliano

             
 
Zum Lago di Bolsena

(etwa 45 km)

Die Standard-Badetour. Man fährt Richtung Gradoli (ein paar leichtere Steigungen und Gefälle) und stürzt sich dann in den steilen Krater des Bolsena-Sees. Unterhalb von Gradoli, wenn man auf den See trifft, gibt es eine ganze Reihe Badestrände mit preiswerten Restaurants.

             
 
Zum Meer

(etwa 90 km)

Von Pitigliano bis Manciano muss man ganz schön strampeln (siehe oben), von Manciano aus geht blitzschnell abwärts, bis man in der Ebene ist, der eigentlichen Maremma. Noch etwa 15 km geradeaus erreicht man das Meer. Schöne Strände sind z.B. auf der südlichen Landzunge, die den Monte Argentario mit dem Festland verbindet oder direkt südlich unterhalb des Felsens von Ansedonia / Cosa.

             
 
Richtung Monte Amiata

(etwa 100 km!)

Pitigliano - Montebuono - Selvena - Santa Fiora - Archidosso - (möglich ist ab hier ein Abstecher ins wunderschöne Roccalbegna zum Monte Labbro (1193 m)machen, dem pyramidenförmigen Berg, den man von Pitigliano aus sehen kann.) - Semproniano - Catabbio - Sovana - Pitigliano.

             
 
Kleine Strassen nördlich von Sorano

Östlich: Elmo - Castell Ottieri - Montevitozzo - Castell Azzara (820 m) - Montorio
Westlich: Monte Buono - Selvena - Castell Azzara
Rund um den Monte Elmo (ca. 850 m) und den Monte Civitella (1107) gibt es viele kleine verzweigte Strassen, auf denen man sich eine Route zusammenbasteln kann. Dieses ganze Gebiet ist von grossem landschaftlichem Reiz.

             
 
Castro

(etwa 30 km)

Diese romantische Ruinenstadt mitten im Wald, 1649 von päpstlichen Truppen zerstört, wird heute wieder freigelegt.
Man fährt von Pitigliano Richtung Farnese, biegt an der Strasse Valentano - Montalto di Castro rechts ab, dann nach einem Kilometer links (Schild). Wieder einen Kilometer weiter steigt man vom Sattel und betritt die Ruinen.

             
 
Vitozza

(etwa 30 km)

Direkt neben der Ortschaft San Quirico, nicht weit von Sorano, sind die interessanten Reste einer weiteren Ruinenstadt mit einer Burgruine und vielen Wohnhöhlen zu sehen. Diese Fahrt ist wenig anstrengend und lässt ein bisschen Zeit für schöne Spaziergänge.

             
 
Strade Bianche

(weisse Strassen)

Alle oben skizzierten Routen führen über geteerte Strassen. Die meisten davon sind schmal und wenig befahren. Nur auf der Strasse vom Bolsena-See zum Meer ist etwas mehr los.
Wer es noch einsamer möchte, schlägt sich seitlich auf die "Weissen Strassen", wie sie hier genannt werden. Dies sind Schotterstrassen, im allgemeinen mit dem Rad gut zu befahren. Sie führen (meist ohne Ausschilderung) in die schönsten, abgelegensten Landschaften, etwa der Gegend direkt südlich von Pitigliano Richtung Selva del Lamone (ein grosser ursprünglicher Wald, heute Naturschutzgebiet) in den sich selbst die römischen Legionen nicht hineingetraut haben). Selbst über 2000 Jahre alte etruskische Hohlwege lassen sich befahren, wie etwa die von Sovana (rechts neben der Tomba Ildebranda) bergauf nach Elmo.
Die Gefahr, sich mal zu verirren, ist immer da, aber bis jetzt haben alle wieder nach Hause gefunden.

   
Karten
     
Es gibt leider keine guten topografischen Landkarten. Die einzige einigermassen verwendbare mit Höhenlinien ist das Blatt 229 der Edizioni Multigraphic Firenze: Grosseto / Siena Sud (1:100.000). Sie ist in den Buchläden und Kiosken überall erhältlich.

 
             
             
 


Die folgenden 5 Radtouren hat Julius Grossmann zusammengestellt, ein erfahrener Fahrer und neuer Pitigliano-Gast, dem wir herzlich danken.

Mail an
Julius Grossmann


"Ich habe Ihnen die von mir abgefahrenen Touren zusammengestellt, die Sie gerne veröffentlichen können. Erwähnen Sie dabei bitte, dass das Abfahren dieser Touren einen gewissen Trainingszustand voraussetzt und möglichst ein Pulsmesser mitgeführt werden sollte, um Überlastungen zu vermeiden."

Vorbemerkung zu den Radtouren: Der Zustand der Straßen in der Toskana ist erbärmlich. Die Carbonlaufräder bitte in D lassen. Immer genügend Trinkwasser mitführen. In der Maremma kann es glühend heiß werden. Aus unerfindlichen Gründen schließen zwischen 13 und 17 Uhr alle Geschäfte und man kann sich nur noch an Bars versorgen. Benutzte Landkarte: Die Generalkarte Blatt 5 Toskana, die Karte ist in einigen Details falsch.
 
 
Tour 1:
Orbetello

Länge: 180 km
Schwierigkeitsgrad: lange, mittelschwere Radtour
Größte Übersetzung: 42/19
Trainingsart: Ausdauer, Fahrtspiel
erreichter Durchschnitt: 30 km/h

Streckenführung:
Manciano - Albinia - Santa Liberata - Orbetello - Ansedonia - Stazione di Capalbio - Chiarone Scalo - Pescia Romana - Vulci - Ischia - Farnese - Pitigliano

Kommentar:
Bis zum Erreichen des Meers abwechslungsreiche, wellige Radtour.
Die Deichstraße nach Argentario (ohne Sicht aufs Meer) war ebenso wie Orbitello (ein Rummelplatz) enttäuschend. Die Tour führt dann weiter auf traumhafter Nebenstrecke entlang der Bahnlinie und weiter vorbei an den Ruinen von Vulci durch die "wilde" Maremma über Farnese (Wasserfälle) zurück nach Pitigliano.

 

Tour 2:
Rocalbegna

Länge: 120 km
Schwierigkeitsgrad: mittelschwere Radtour
Größte Übersetzung: 42/21
Trainingsart: Ausdauer, Fahrtspiel
erreichter Durchschnitt: 28 km/h

Streckenführung:
Sorano - Sovana - Semproniano - Roccalbegna - Usi - Montemerano - Manciano - Pitigliano

Kommentar:
Sehr schöne Radtour, auf der einem kaum motorisierte Fahrzeuge begegnen. Auf der Straße von Rocalbegna nach Scansano nimmt man den Abzweig Usi, Saturnia, eine schmale gut asphaltierte Straße mit genialen Ausblicken.


Tour 3:
Monte Amiata

Länge: 130 km
Schwierigkeitsgrad: schwere Radtour
Größte Übersetzung: 42/23
Trainingsart: Kraft am Berg, Fahrtspiel
erreichter Durchschnitt: 26 km/h

Streckenführung: Sorano (über Verzweigung Sovana) - Elmo-Selvena -
Pietrelunga - Abbadia San Salvatore - Fette Amiata-Santa - Fiora-Semproniano - Sovana - Pitigliano

Kommentar:
Der Amiata ist ein hässlicher grüner Riese, man fährt ständig durch Wald. Das ist zwar schön kühl, aber man sieht nichts. Die Steigungen am Amiata sind diskontinuierlich, mal steiler, mal flacher, sehr schwer.
Selbst am höchsten Punkt keine Fernsicht, man müsste absteigen und zum Gipfelkreuz laufen. Ich würde den Amiata nicht noch mal fahren. Hinter Elmo giftige kurze Steigung. Der optisch schönste Berg ist der Monte Labbro, an dem man vorbeifährt, der jedoch nur mit Mountainbikes bezwungen werden kann.


Tour 4:
Rund um den Bolsena See

Länge: 110 km
Schwierigkeitsgrad: mittelschwere Radtour
Größte Übersetzung: 42/21
Trainingsart: Kompensation
erreichter Durchschnitt: 24 km/h

Streckenführung:
Gradoli - Bolsena - Montefiascone - Marta - Valentano - Pitigliano

Kommentar:
Es geht zunächst etwa 15 km bergauf, man gelangt dann in rasender Abfahrt nach Gradoli und an den See. Das Ostufer ist richtig flach. Steiler Pass hinauf nach Montefiascone. Abfahrt nach Marta, nicht am Seeufer entlang (Achtung: die direkt am See entlangführende Straße ist nicht durchgehend asphaltiert), ein letzter Cappucino im Hafen von Capodimonte und dann hinauf über den Passo di Montagna zurück nach Pitigliano.


Tour 5:
Durch die Maremma

Länge: 130 km
Schwierigkeitsgrad: mittelschwere Radtour
Größte Übersetzung: 42/19
Trainingsart: kurze intensive Intervalle am Berg, lange extensive Intervalle
in der Fläche
erreichter Durchschnitt: 30 km/h

Streckenführung:
Manciano - La Sgrilla - Pesca Fiorentina - Chiarone Scalo - Pescia Romana - Vulci - Ischia - Farnese - Pitigliano

Kommentar:
Man nimmt etwa 8 km hinter Manciano den schmalen Feldweg Richtung Capalbio und fährt durch abwechslungsreiches Hügelland an's Meer. Meine Lieblingstour, nicht zu leicht, nicht zu schwer. Schöne Ausblicke auf Meer und Hügelland.

           
 
 
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