Den Norden der Toskana kennen wir aus den Bildbänden: Altes Kulturland der sanften Hügel um Florenz und Siena. Von dort aus sieht man weiter südlich schon den mächtigen Vulkanklotz des Monte Amiata (1738 m). Ab hier ändert sich die Landschaft: Überall säumen steile Felswände die Täler. Das Material ist gelblich bis rötlich, porös, teilweise sehr verwittert: Tuff. Er ist allgegenwärtig, der Kalkstein, aus dem weiter nördlich die Natursteinhäsuer gebaut sind, muss ihm weichen. Dieses Tuffgebiet erstreckt sich hunderte von Kilometern weiter nach Süden über Rom bis hinter Neapel und bestimmt den optischen Eindruck der Städte und Dörfer. "La civiltà del tufo", die Tuff-Kultur ist ein Begriff, der daher in den letzten Jahren immer häufiger in den Reiseprospekten der Gegend rund um Pitigliano verwendet wird.

Was ist Tuff?

Tuff entsteht beim Ausbruch von Vulkanen. Wenn sich aus einem Vulkan die Lava den Weg nach aussen sucht, läuft sie als glühende Paste nach unten und erstarrt zu sehr hartem Stein. Dies geschieht relativ langsam. Tuff entsteht anders: Es kommt auch vor, dass sich im Vulkan eine Gasblase bildet, die sich, wenn der Druck stark genug ist, explosionsartig ins Freie entlädt. Dann wird die Lava in winzige Partikel zerstäubt, die grossflächig der Windrichtung folgend ins umliegende Land verteilt werden. Die so aus dem Vulkan geförderten Materialmengen sind riesig. Zusammen mit Regen- und Flusswasser vermischt sich das Material dann zu grossen Strömen, die den grössten Teil der Landschaft überschwemmen, wie Tortenguss den Kuchen. Dabei schneiden sich die Wasserläufe canonartig in den Tuff ein.

Dies ist vor sehr langer Zeit auch in der Gegend von Pitigliano geschehen und zwar so gründlich, dass nur an wenigen Stellen überhaupt noch das ursprünglich vorhandene Kalkgestein zu Tage tritt.

oben: Teile der etruskischen Stadtmauer von Pitigliano aus grossen Tuffblöcken, etwa 2600 Jahre alt. Fast alle Häuser von Pitigliano sind aus Tuff. Viele etruskische und römische Gräber, Wohnungen, Ställe, Weinkeller und sogar Busgaragen wurden in den Tufffelsen gehöhlt. Unter den Häusern von Pitigliano ist ein richtiges Labyrinth unterirdischen Gängen. Dort kann man an einer Führung teilnehmen. Seit Menschengedenken wird Tuff als Baustein verwendet. Auch in Deutschland gibt es ansehnliche Lagerstätten, vor allem rund um den Laacher See in der Eifel. Grosse Teile des Kölner Doms sind z.B. aus Tuffstein, aber auch viele Bauten der Römer, die fast 500 Jahre in dieser Gegend waren.
         
 

ein Tuffstein-Tagebau

(Bilderserie,
fotografiert von
Dr. Rainer Vock)

Im Tuffgebiet findet man sehr viele Steinbrüche, die meisten davon schon stillgelegt. Der, von dem diese Bilder stammen, liegt rechts von der Strasse Sovana - Sorano am Hang des Lente-Tals. Wenige Männer produzieren mit altmodischen Maschinen Tag für Tag eine Menge Bausteine. oben: ein Sägeblatt
  Rechts sehen wir den angeschnittenen Berg mit seinen Schichten. Oben ist der unberührte Teil des Geländes, darunter in der Bildmitte eine linsenförmige Ablagerung von leichterem, sandigem Material. das als Beimischung zum Strassenbau verwendet werden kann. Darunter eine nichtbeschnittene Tuff-Abbruchkante. Die am Rand grün bewachsenen Terrassen sind die Zufahrtswege. Darunter ist eine Schicht Abraum und ganz unten die völlig ebene Fläche, auf der gerade abgebaut wird. Der Abbau erfolgt von oben nach unten, bis die Sohle erreicht ist. Schichten mit schlechter Qualität werden dabei gelegentlich ausgespart.
links: die Tuffwände haben oft eine Höhe von über 20 Metern.
Die Bausteine werden Lage für Lage aus der Tuffschicht herausgesägt. Dazu werden Schienen ausgelegt, auf denen die Säge mit jeweils einem horizontalen und einem vertikalen Sägeblatt jeweils eine Reihe sägt.
         
 
 
oben: Eine senkrechte Tuffwand am Ende des Abbaus. Was wie gemauert aussieht, sind die Einschnitte des Sägeblatts. oben: die fertigen Steine liegen zum Aushärten gestapelt.
 
 
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