Wanderungen um Pitigliano
 
 
das Lente-Tal unterhalb von Pitigliano im Herbstnebel. Blick vom Ende der Altstadt nach Westen.
Foto © Peter Petri

 
Wandern um Pitigliano bedeutet: man läuft nicht wie im deutschen Wald. Viele Wege sind im wahrsten Wortsinn Holzwege, sie werden für die Holzwirtschaft benutzt und enden oft im Nichts, das heisst in diesem Fall mediterrane Macchia. Anders gesagt, dort ist kein Durchkommen.

Es gibt aber auch angelegte Wanderrouten, die mit Schildern ausgezeichnet sind. Einmal mit grossem Getöse eröffnet (Presse ist da, Blaskapellenmusik ertönt), werden sie schnell vergessen, sie wachsen zu, die Schilder verrotten und irgendwann hat die Natur das Terrain wiederobert. Was den Vorteil hat, dass man oft schon völlig allein unterwegs ist, kaum dass man den Ort verlassen hat.

Durchschnitts-Italiener wandern nicht unbedingt gerne. Wandern heisst für sie oft, das Auto an einem Picknick-Platz zu parken und 100 Meter in den Wald zu laufen. Oder wenn sie sich mal schinden wollen, dann kriechen sie gern mit der Flinte durch das Gebüsch. Oder schwitzen auf dem Fahrrad bei 30 Grad sengender Hitze. Damit sind wir beim zweiten Problem: Im Sommer ist es oft so heiss, dass jeder Schritt mühsam wird. Trotzdem: Rund um Pitigliano gibt es eine Menge wunderschöne Wanderwege. Ein paar davon möchte ich Ihnen hier vorstellen:


einmal und um die Altstadt

(etwa 1 km)

Zum Anfang kann man rund um den Ort laufen. Am Ortsende durch die Porta di Sovana, die Treppen hinunter und von dort links oder rechts immer auf gleicher Höhe um den Ort herum. Man erreicht dann die Altstadt wieder durch das andere Staddtor am Rathaus.


Start für andere Wanderungen

Wenn man die Treppen unterhalb der Porta di Sovana (ganz am Ende der Altstadt) hinter sich hat, geradeaus ins Tal gehen. Überall an den Talhängen rund um Pitigliano gibt es steil in den Tufffelsen geschnittene uralte etruskische Strassen (etwa 8), die man dann zur gegenüberliegenden Talseite steigen kann. Dieser Weg führt durch eine dieser Strassen. Wenn man unten an der modernen Strasse angekommen ist, hat man mehrere Möglichkeiten zu den schönen anderen Rundwegen. Wer sich den Abstieg ins Tal ersparen will, kann auch das Auto unten ander modernen Brücke parken und von dort die meisten der Touren beginnen.

             
 
Etruskerweg zur Kirche Madonna delle Grazie

(etwa 3 km)

Den Bach überqueren an der alten Mühle überqueren, dann die Etruskerstrasse hoch bis zur Kirche Madonna delle Grazie, die Pitigliano direkt gegenüber liegt. Dieser Weg ist steil und manchmal schwer zugänglich. Er ist nur echten Abenteurern empfohlen, obwohl er direkt in Sichtweite der Stadt verläuft!

             
 
Etruskerweg links des Lente-Bachs

(etwa 7 km)

Nach rechts bis kurz vor die Strassenbrücke, dort scharf links Richtung Bach, über die kleine Holzbrücke, dem Weg folgen, nach 100 Metern beginnt ein eindrucksvoller Etruskerweg, der sich wunderschön etwa 3 km am linken Hang des Lente-Tals entlangzieht. Irgendwann kommt man an der Strasse an, die sich duch die Weinberge zieht, die geht man links, bis man an der Kirche Madonna delle Grazie ankommt. Von dort der Strasse folgen oder Weg 1 umgekehrt.

             
 
Etruskerweg zum Ulmenbrunnen

(etwa 6 km)

Die moderne Brücke überqueren, direkt dahinter links abbiegen und dem Weg folgen. Auch von dort kommt man auf eine Etruskerstrasse, die auf der rechten Talseite der Lente (gegenüber von Weg 2) langsam in die Höhe steigt. Wenn man oben die Hangkante erreicht hat, folgt man dieser und biegt nach etwa 200 Metern rechts in einen kleinen Hohlweg. Diesem folgt man und kommt nach kurzer Zeit an einen uralten schönen Brunnen, den Ulmenbrunnen (Trinkwasser). Man gelangt von dort zu einer "weissen Strasse" (strada bianca), eine nicht geteerte Strasse, die man Richtung Pitigliano zurückgeht, bis man direkt gegenüber der Stadt ist. An dieser Stelle trifft man auf eine weitere Etruskerstrasse (schwieriger Weg, halb zugewachsen!) stösst, die direkt hinunter ins Tal führt oder man folgt der Strasse um hinter der Brücke in einen der Wege links abzubiegen um Pitigliano zu erreichen.

             
 
Weg nach Sovana

(etwa 8 km)

Dieser wunderschöne Weg nach Sovana ist leider nicht leicht zu finden. Am besten, man geht von der modernen Brücke etwa 100 Meter nach rechts und nimmt dann den Etruskerweg nach oben. Der Einstieg ist fast ein Spalt im Felsen, der Weg ist nur für Trittsichere geeignet. Man kann auch der Strasse folgen und die nächste geteerte kleine Strasse links nehmen, um oben die Ebene aus zerfurchtem Tuffstein zu erreichen. Diese überquert man und geht immer in Richtung der hohen Berge. Nach etwa einem Kilometer findet man einen steilen, in die Felsen geschlagenen Pfad ins Tal, wo man eine kleine Steinbrücke überquert. Man und folgt dem Weg weiter und irgendwann, etwa auf der Hähe des Fussballplatzes (Lichtmasten zur Orientierung) sieht man dann schon Sovana. Zurück nach Pitigliano vielleicht dann eher mit dem Bus...

             
 
Etruskerpark von Pitigliano

(etwa 2 km)

Es gibt seit ein paar Jahren auch einen offiziellen Etruskerpark. Dort sieht man interessante Gräber. Er erstreckt sich von der alten Strassenbrück unterhalb des Aquädukts zur anderen Talseite. An der Brücke ist aber wohl kein offizieller Eingang, sondern nur Kilometer entfernt an der Strasse, die hinter Madonna delle Grazie links abgeht, ohne Auto ist diese Wanderung also eher mühsam.

             
 
der Parco Orsini
(Orsini-Park)

(300m)

Eine weitere kurze Wanderung, diesmal ohne dass man ins Tal hinunter muss: Vor der Altstadt geht man die Strasse nach Sorano, nimmt zwei scharfe Kurven (noch im Ort) und steigt dann ein paar Meter links hoch. Dort ist ein schmales Plateau, an dessen Talseite interessante, aber sehr verrottete Steinskulpturen aus der Renaissancezeit zu sehen sind, Teil des Orsini Parks, ein kleines Gegenstück zum weltberühmten Park von Bomarzo. An der nördlichen Seite des Plateaus gibt es eine spektakuläre runde Aussichtsplattform mit Blick ins Tal und auf die Berge. Auch von dort gibt es einen Weg nach unten, man weiss aber nie, in welchem Zustand dieser ist. In einem Jahr ist er frei, im nächsten dschungelmässig zugewachsen.

             
 
weiter weg

Ansonsten ist es wirklich zu empfehlen, die Gegend auch mit dem Bus zu erkunden. Sovana und Sorano sind beide sehr schön und interessant. Die Etruskerstrassen um Sovana sind sehr eindrucksvoll, dort gibt es viele monumentale Tempelgräber wie die Tomba Ildebranda. Etwa 3 Kilometer hinter Sovana in Richtung San Martino sul Fiora unterhalb einer langen Betonbrücke ist es eine schöne Flussbadestelle mit Felsen, die allerdings in trockenen Sommern nicht immer sehr viel Wasser bietet.

             
 
   
Wanderkarten
     
Es gibt leider keine guten topografischen Landkarten. Eine einigermassen verwendbare mit Höhenlinien ist das Blatt 229 der Edizioni Multigraphic Firenze: Grosseto / Siena Sud (1:100.000).

 
             
 
 
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